Barbara Pachl-Eberhart erzählt vom Glück, das bleibt, auch wenn das Leben alles verändert. Ein Vortrag über Krisen, Verlust, Clownkunst – und die Fähigkeit, selbst im Schmerz offen zu bleiben für Lebendigkeit.
Vom Glück, das nicht verschwindet
„Ich und das Glück, wir kennen uns schon lange“, beginnt Barbara Pachl-Eberhart ihren Vortrag. Und man spürt sofort: Dieses Wort benutzt sie nicht leichtfertig.
Ihr Leben war hell, erfüllt, sinnstiftend. Als Clownin in Kinderkrankenhäusern brachte sie Lachen an Orte, wo Schmerz wohnt. Doch 2008 veränderte ein Unfall alles – sie verlor ihren Mann und ihre beiden Kinder.
Seitdem spricht sie nicht nur über das Glück. Sie spricht über seine Brüchigkeit. Und darüber, was bleibt, wenn nichts mehr bleibt.
Glück als Grundgefühl des Lebens
Schon als Kind glaubte sie, vom Glück gemeint zu sein. Sie nennt sich ein „Sonntagskind“, für das das Leben in Dur gestimmt war.
Glück bedeutete: Freude. Leichtigkeit. Ein weites, helles Herz.
Doch dieses Glück bekam im Krankenhaus eine neue Farbe. Dort, als Clownin, lernte sie: Glück und Leid sind keine Gegensätze. Sie durchdringen einander, wie Licht und Schatten, die sich nicht trennen lassen.
Glück, sagt sie, ist nicht das Gegenteil von Schmerz. Es ist die Fähigkeit, ihn zu halten, ohne daran zu zerbrechen.
Verlust – und was bleibt
Nach dem Unfall wurde sie in den Medien zur „Frau, die ihre Familie verloren hat“.
Sie widerspricht leise: „Ich habe sie nicht verloren. Ich habe sie verwandelt.“
Sie erzählt von den Tagen im Krankenhaus, vom Berühren der kleinen Hände, vom Wiedersehen mit der Stille. Und von einem Wissen, das sich in ihr formte: Es gibt etwas, das unverlierbar ist.
Dieses Unverlierbare – eine Verbundenheit jenseits der Form – ist heute der Boden ihres Glücks.
Das Wiederfinden der Lebendigkeit
Irgendwann, erzählt sie, kam der Moment, in dem die Therapeutin sagte: „Mich interessiert jetzt nicht mehr Ihre Familie. Mich interessiert die Barbara, die Sie vorher waren.“
Diese Worte waren wie ein Schalter.
Sie begann, alte Quellen der Freude zu suchen: Musik. Bewegung. Tanz. Begegnung. Stück für Stück kehrte das Leben zurück – anders, tiefer, stiller.
Glück wurde neu definiert. Nicht als Ausnahmezustand, sondern als Haltung. Als Bereitschaft, das Leben mit allem anzunehmen, was es bringt.
Die Weisheit, die bleibt
Weisheit, sagt sie, entsteht, wenn man hinsieht.
Sie zitiert den Psychiater Michael Linden: Weisheit sei die Fähigkeit, empathisch, gelassen und mit Perspektive zu handeln.
„Ich glaube,“ sagt sie, „das ist das, was Leid mit uns macht – wenn wir es zulassen: Es weitet.“
Glück, erkennt sie, ist kein Besitz. Es ist ein Fluss. Es lebt davon, dass wir uns ihm öffnen – auch wenn das Wasser kalt ist.
Lachen, wenn alles still wird
Mitten im Vortrag bittet sie das Publikum, mitzuspielen: Daumen hoch, Daumen quer, immer im Wechsel – bis das Chaos entsteht und alle lachen.
Warum, fragt sie, bringt sie so etwas Leichtes in einen Vortrag über Tod und Verlust?
„Weil Lachen die Tür ist, durch die das Leben wieder hereinkommt.“
Serotonin. Dopamin. Oxytocin. Endorphin. Die Hormone der Lebendigkeit, sagt sie. Und manchmal braucht es nichts weiter, als gemeinsam etwas völlig Sinnloses zu tun.
Der Clown als Lehrer des Mitgefühls
Der Clown, sagt sie, ist ein Meister des Scheiterns.
Wenn der Ball fällt, tut er nicht so, als wäre nichts passiert. Er bleibt dabei. Er schaut hin. Er verwandelt das Missgeschick in Beziehung.
Das nennt sie „Fiasko halten“. Bei dem bleiben, was weh tut – ohne es zu verschönern, ohne zu fliehen.
Diese Haltung, so Pachl-Eberhart, macht den Clown menschlich. Und sie macht den Menschen weise.
Vom Fiasko zur Mitmenschlichkeit
Nach dem Verlust hat sie gelernt: Es gibt keine Rangordnung des Leidens.
Jeder Mensch erlebt sein eigenes Fiasko – klein oder groß, laut oder still.
Wichtig ist, das Leid des anderen nicht zu relativieren. „Demut vor dem Fiasko des Anderen“, nennt sie das. Es ist die Grundlage von Mitgefühl – und vielleicht die tiefste Form von Spiritualität.
Zerbrechen, um offen zu bleiben
„Ich bin stolz darauf, immer wieder zu zerbrechen“, sagt sie.
Das Publikum hält den Atem an.
Nicht zu verbittern, nicht hart zu werden – das sei ihre größte Leistung. Wer bereit ist, zu zerbrechen, bleibt durchlässig. Und durch diese Risse fällt das Licht.
Dann erzählt sie von einem Lied: *Break* von Christine Kane. Ein Lied darüber, Mauern einstürzen zu lassen, damit das Leben wieder hineinfindet.
Der Clown und das Jetzt
Der Clown, sagt sie, ist kein Narr, sondern ein Lehrer der Gegenwart.
Seine rote Nase zwingt ihn, dort zu sein, wo er ist. Nicht im Plan, nicht im Rückblick – sondern hier.
Diese Gegenwärtigkeit, sagt sie, ist eine Form des Erwachens.
Fiasko ist nichts anderes als das Leben selbst: unplanbar, überraschend, echt.
Schlussgedanke
„Das Leben ist ein Fiasko – und das ist gut so.“
Dieser Satz steht am Ende. Und er bleibt im Raum.
Denn wer anerkennt, dass das Leben nicht planbar ist, verliert die Angst, dass etwas schiefgehen könnte.
Glück liegt nicht im Vermeiden. Es liegt im Dasein. Mit allem, was kommt.
Nach einem Vortrag von Barbara Pachl-Eberhart, gehalten im Buddhistischen Stadt-Zentrum Hamburg. Der volle Audio-Vortrag ist über das Stadt-Zentrum erhältlich.