Bhante Pasanna lehrt eine einfache, tiefgehende Praxis: Zufrieden mit dem zu sein, was jetzt ist. Kein Idealzustand, sondern eine Haltung, die Klarheit, Frieden und echte Gegenwärtigkeit ermöglicht.
Einleitung: Die Schwierigkeit, einfach da zu sein
Es klingt so schlicht – und ist doch die größte Herausforderung: wirklich im Jetzt zu leben. Unser Geist flieht in Erinnerungen oder entwirft Zukunftsbilder, als läge das Leben irgendwo anders. Dabei liegt das Glück, so Bhante Pasanna, genau hier – in der stillen Fähigkeit, zufrieden mit dem zu sein, was gerade geschieht.
Zufriedenheit, sagt er, ist keine Emotion, die man herbeizwingen kann. Sie ist eine geistige Einstellung, die wir bewusst üben. Eine Art innerer Entschluss, das Jetzt gelten zu lassen – auch, wenn es unscheinbar, unvollkommen oder unruhig ist.
Meditation als Schulung des Zufriedenseins
Am Beginn seiner Unterweisungen steht oft eine Meditation. Körper spüren, Atem wahrnehmen, Spannung zulassen, aber nicht festhalten. Entscheidend ist nicht, ob „etwas Besonderes“ geschieht, sondern ob wir bereit sind, uns auf das einzulassen, was schon da ist.
Das Ziel dieser Übung ist kein tranceartiger Zustand, sondern ein offenes, aufmerksames Dasein. Zufriedenheit mit jetzt bedeutet, die Gegenwart nicht zu verbessern, sondern sie zu sehen.
Zufriedenheit als Haltung, nicht als Gefühl
Wir können uns nicht befehlen, zufrieden zu sein. Gefühle entstehen aus Bedingungen – sie lassen sich nicht erzwingen. Doch wir können eine Haltung einnehmen, die Zufriedenheit begünstigt.
Zufrieden mit jetzt zu sein heißt: gut genug sein lassen, was ist. Nicht, weil wir uns mit weniger abfinden, sondern weil wir die unendliche Suche nach „mehr“ für einen Moment unterbrechen.
In unserer Sprache klingt „sich zufrieden geben“ oft resignativ. Doch im buddhistischen Verständnis bedeutet es etwas anderes: das Leben in diesem Moment zu bejahen.
Vergangenheit und Zukunft – die Quellen der Unzufriedenheit
Der Geist vergleicht unablässig: Früher war es besser. Morgen soll es anders sein. So entsteht die Illusion, dass Zufriedenheit irgendwo außerhalb liegt.
Bhante Pasanna beschreibt Vergangenheit und Zukunft als Strategien des Geistes, Unzufriedenheit zu bewältigen – und zugleich als ihre Quelle. Denn beides ist nicht real. Nur das, was wir jetzt erleben, hat Wirklichkeit.
Vergleiche machen den gegenwärtigen Moment zum Schuldigen. Wir erwarten von ihm, besser zu sein als die Erinnerung oder die Hoffnung. So entsteht eine subtile Gewalt gegen das, was ist – und gegen uns selbst.
Gegenwärtigkeit als Befreiung
Das Ziel ist kein leerer Geist, sondern ein wacher. Gedanken an Vergangenheit und Zukunft dürfen auftauchen, solange wir erkennen, dass sie jetzt geschehen. In diesem Erkennen liegt bereits Befreiung.
Wer im gegenwärtigen Moment verweilt, erfährt, dass die geistige Klarheit wächst. Vergangenheit und Zukunft verlieren an Gewicht, wenn sie als bloße Gedanken erkannt werden – als Wolken, die durch einen weiten Himmel ziehen.
Zufriedenheit schafft Zukunft
Paradox und wahr: Wer jetzt zufrieden ist, bereitet eine zufriedene Zukunft vor. Nicht durch Planung, sondern durch Gewohnheit. Ein Geist, der gelernt hat, hier zu bleiben, trägt seine Ruhe in alle kommenden Augenblicke hinein.
So gesehen ist die Fähigkeit, „zufrieden mit jetzt“ zu sein, die beste Zukunftsvorsorge. Keine Strategie wirkt nachhaltiger als die, in jedem Moment wieder anzukommen.
Reinheit des Augenblicks
Bhante Pasanna verweist auf eine alte Lehrrede des Buddha:
„Wer bei vergangenen und künftigen Dingen dem Denken entgangen ist, als einer, der Reinheit kennt, wandelt frei in der Welt.“
Reinheit bedeutet hier nicht moralische Strenge, sondern Einfachheit – frei von der Last, jeden Eindruck mit Erwartungen zu überziehen. Wenn wir Sinneseindrücke ohne Vergleich erfahren, entstehen Klarheit und Leichtigkeit.
Der Affe im Geist
Um das zu veranschaulichen, zitiert Bhante Pasanna ein Gleichnis des Buddha: Der Geist gleicht einem Affen, der von Ast zu Ast schwingt – er lässt den alten Ast nur los, wenn er den neuen schon festhält. So springen wir von Vergangenheit zu Zukunft, unfähig, einfach zu hängen – in der Schwebe des Jetzt.
Die Übung besteht darin, nicht wie dieser Affe zu handeln: loszulassen, ohne sofort etwas Neues zu greifen. Kein Ersatz, kein Tauschgeschäft. Einfach leer werden – und im Loslassen das Genug finden.
Weniger werden
Die Praxis des Dhamma, sagt Bhante Pasanna, führt nicht zur Erfüllung durch Hinzufügen, sondern durch Weglassen. Nicht „mehr werden“ ist das Ziel, sondern „weniger werden“.
Zufriedenheit entsteht nicht aus Anhäufung, sondern aus Entlastung. Und in dieser Entlastung liegt etwas Kostbares: Frieden mit dem, was ist.
Schlussgedanke
Zufrieden mit jetzt – das ist kein Versprechen, dass alles gut ist. Es ist eine Einladung, die Suche zu beenden, wenigstens für einen Atemzug.
In diesem Atemzug – frei von Vergangenheit, frei von Zukunft – liegt die ganze Tiefe des Lebens.
Nach einem Vortrag von Bhante Pasanna, gehalten im Buddhistischen Stadt-Zentrum Hamburg. Der volle Audio-Vortrag ist über das Stadt-Zentrum erhältlich.