Uwe Mainzer führt in dieser geführten Meditation Schritt für Schritt in die Praxis der Vergebung. Mit sanften Worten lädt er dazu ein, Groll loszulassen, Mitgefühl zu entwickeln und das Herz zu öffnen – für andere, für sich selbst und für die Freiheit, die daraus entsteht.
Ankommen und Öffnen
„Ich möchte euch einladen, gemeinsam mit mir zu einer Übung zur Vergebungspraxis zu kommen“, beginnt Uwe Mainzer. Er bittet die Teilnehmenden, eine bequeme Haltung einzunehmen – so, dass Körper, Geist und Herz sich öffnen können für den gegenwärtigen Moment.
Die Augen schließen. Den Atem spüren. Den Körper wahrnehmen. „Du musst gar nichts tun, nichts erreichen, nichts Besonderes sein. Lass einfach alles so sein, wie es ist.“
Mit jedem Atemzug darf der Geist ruhiger werden. Der Körper entspannt sich. Das Herz wird weich.
Öffnung für die Vergebung
Nun folgt eine stille innere Ansprache: „Ich möchte mich für die Vergebung öffnen. Ich möchte lernen, zu verzeihen.“
Er lädt ein, an einen Menschen zu denken, gegen den man Groll oder Missstimmung empfindet – nicht unbedingt den schwierigsten, sondern jemanden, mit dem Versöhnung möglich scheint.
„Lass nach und nach das Bild dieses Menschen aufkommen. Fühle seine Gegenwart, als stünde er jetzt vor dir.“
Dann spricht er leise: „Bitte diesen Menschen, sanft aus deinem Geist heraus in dein Herz einzutreten – einfach als Experiment der Vergebung.“
Vielleicht spürt man Zorn, Misstrauen oder Furcht. „Achte darauf, was das Tor deines Herzens blockiert“, sagt er, „und lass den Menschen trotzdem eintreten – nur für diesen Augenblick.“
Und dann die Worte: „Ich vergebe dir. Ich bin bereit, dir zu verzeihen.“
Der Schmerz und das Loslassen
„Es tut weh, jemanden aus seinem Herzen zu verstoßen.“
Diese einfache Erkenntnis steht im Mittelpunkt. Für einen Moment lässt man den Menschen wieder in das eigene Herz zurückkehren. Und dann: „Ich vergebe dir alles, wodurch du mir Leid zugefügt hast – wissentlich oder unwissentlich, durch Worte, Handlungen oder Gedanken. Ich habe lange genug darunter gelitten. Ich bin bereit, dir zu verzeihen.“
Mit jedem Atemzug kann etwas von dem Groll schmelzen. „Lass los. Es ist schmerzhaft, an diesem Groll festzuhalten. Vergib, und hab Mitgefühl mit dir selbst.“
Vergebung als Mitgefühl
„Ich vergebe dir,“ sagt er weiter, „denn ich weiß: Auch du willst glücklich sein – so wie ich. Ich verzeihe dir deine Unwissenheit, deine Angst, deinen Schmerz.“
Dann folgt eine sanfte Wende: „Nun lass diesen Menschen weiterziehen, und wende dich jemandem zu, der dir nicht verzeiht – jemandem, dem du Kummer bereitet hast.“
Er bittet, diesen Menschen ins Herz einzuladen – auch wenn Scham, Angst oder Schuldgefühle den Eintritt erschweren. „Bitte diesen Menschen still: Vergib mir. Ich bitte dich um Vergebung – für das, was ich wissentlich oder unwissentlich getan habe. Für das, womit ich dich verletzt habe.“
Hier beginnt die zweite Bewegung der Praxis: nicht nur vergeben, sondern auch Vergebung annehmen zu können.
Selbstvergebung
Schließlich richtet sich die Aufmerksamkeit auf das eigene Herz. „Jetzt geht es darum, dir selbst zu vergeben.“
Manchmal, sagt Uwe Mainzer, tragen wir in uns Vorwürfe, die wir niemandem sonst machen würden. „Sprich im Stillen zu dir selbst: Ich vergebe dir. Ich verzeihe dir. Hab Nachsicht mit dir, wo du hart gegen dich warst.“
Das Herz darf weich werden. Der innere Kritiker darf zur Ruhe kommen. „Und wenn dein Geist die Vergebung zurückweisen will, dann hab Nachsicht mit diesem Geist. Berühre ihn mit Mitgefühl.“
Mit sanfter Stimme spricht er weiter: „Sprich dich mit deinem Namen an – und sage: Ich vergebe dir.“
Dann entsteht Stille. Ein Raum, in dem das Herz sich selbst hält.
Mitgefühl ausdehnen
„Lass zu, dass sich dein Herz ganz und gar mit Mitgefühl füllt – für dich selbst und für andere.“
Er lädt ein, dieses Mitgefühl auszustrahlen – zuerst zu den Menschen im Raum, dann zu allen, die einem nahestehen, schließlich zu allen Wesen.
„Mögen alle Wesen frei sein von Leiden und den Ursachen von Leiden. Mögen sie in Frieden leben.“
So wird Vergebung zu einer Haltung, die über die persönliche Ebene hinausgeht – zu einer universellen Kraft des Mitgefühls.
Schlussgedanke
Am Ende der Übung bittet Uwe Mainzer, noch einmal ins Herz zu spüren: „Wie fühlt es sich jetzt an – nach dieser Praxis?“
Vielleicht leichter. Vielleicht weiter.
„Ich möchte mich darin üben, vergeben zu können – anderen und mir selbst. Denn das ist heilsam.“
Nach einer Meditationsanleitung von Uwe Mainzer, gehalten im Buddhistischen Stadt-Zentrum Hamburg. Der volle Audio-Vortrag ist über das Stadt-Zentrum erhältlich.