Tenzin Peljor leitet in dieser Meditation an, das eigene Ich-Gefühl zu erforschen – nicht intellektuell, sondern erfahrend. Schritt für Schritt führt er in eine Haltung der Stille, Achtsamkeit und Selbstlosigkeit: eine Übung, die den Geist weitet und Frieden entstehen lässt.
Einleitung: Ankommen im Körper
„Lasst uns jetzt eine Meditation machen“, beginnt Tenzin Peljor. Er lädt dazu ein, zunächst einfach zu sitzen – wach und entspannt, mit einer Haltung, die trägt.
Alles, was noch zu erledigen ist, darf losgelassen werden. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Körper, auf das Empfinden des Hier-Seins.
„Spür den Körper“, sagt er, „von den Schultern über den Kopf bis hinunter zu den Füßen. Und dann erlaub dir, dass das Bewusstsein im Erspüren des Körpers zur Ruhe kommt – so, wie man sanft den Kopf auf ein Kissen legt.“
Der Körper sitzt, das Bewusstsein ruht darin.
Atem und Entspannung
Der Atem ist der Schlüssel.
Beim Einatmen kann Spannung aufgenommen werden, beim Ausatmen darf sie gehen. „Atme ein – tief und ruhig. Halte die Luft kurz an. Und dann atme bewusst verlängert aus.“
Mit jedem Ausatmen wird der Körper leichter, die Gedanken stiller. Die Schultern sinken, der Nacken wird weich. Hände und Finger lösen sich.
Dann, wenn der Atem wieder seinen eigenen Rhythmus findet, kehrt der Geist zurück in den Körper.
In der Mitte des Herzens
Peljor lenkt die Aufmerksamkeit auf die Brustmitte, das Herzchakra. Dort – ohne an Vergangenheit oder Zukunft zu denken, ohne etwas erreichen zu wollen – entsteht ein Raum von Gegenwärtigkeit.
„Erlaub dir, dich zu entspannen und nichts zu tun“, sagt er. Gedanken, Bilder, Stimmen, Körperempfindungen dürfen auftauchen – aber wir reagieren nicht. Alles darf sein.
Das greifende Bewusstsein, das ständig etwas will, wird sanft gelockert. „Öffne die Faust und lass los“, zitiert er ein Gedicht. Und in diesem Loslassen entsteht Weite – offen, einladend, wohltuend.
Erforschung des Ich-Gefühls
Aus dieser Entspanntheit heraus beginnt die eigentliche Übung: die Kontemplation über das „Ich“.
Wir spüren den Körper, und dann den Gedanken: Ich, ich, ich.
Wie erscheint dieses „Ich“? Für die meisten wirkt es wie eine Art Beobachter – eine Instanz über Körper und Geist, unabhängig, beständig, singulär.
Doch Peljor lädt ein, diese Vorstellung zu prüfen: Wenn das Ich wirklich unabhängig wäre, warum sagen wir dann „Ich habe mich verändert“? Warum erleben wir uns heute anders als gestern?
Das Ich, das sich als dauerhaft und unabhängig zeigt, ist eine Vorstellung – eine Gewohnheit des Geistes.
Vom Ich zur Bewegung
In Wahrheit, sagt Peljor, ist das Ich abhängig und dynamisch.
„In jeder Millisekunde verändern sich Körper und Geist – und mit ihnen verändert sich auch das Ich.“ Es gibt kein festes, unveränderliches Zentrum.
So erkennen wir, dass das Ich kein fester Kern, sondern eine fortwährende Bewegung ist – ein Strom von Wahrnehmung, Empfindung, Denken, Reaktion.
Wenn wir das erkennen, entspannt sich der Drang, uns verteidigen oder behaupten zu müssen. Das Ich wird durchsichtiger, durchlässiger.
Rückkehr zur Stille
Nach dieser Betrachtung kehrt Peljor zur Stille zurück.
„Spür den Körper, spür den Atem. Und erinnere dich: Es sind körperliche und geistige Prozesse – aber nichts davon ist Ich.“
Das Ich ist nur ein Begriff, den wir diesen Prozessen geben. Und doch, während wir atmen, leben wir – und das Leben selbst ist ein Wunder.
„Wie schön, dass du lebst“, sagt er. „Solange du lebst, kannst du die Weisheit der Selbstlosigkeit entwickeln – die Tür zum Erwachen.“
Widmung
Zum Abschluss widmet Tenzin Peljor die Praxis:
„Mögen wir und alle Lebewesen frei sein von den Ursachen des Leidens – frei von Unwissenheit, von aufwühlenden Emotionen und von der falschen Vorstellung eines Selbst. Mögen wir vollkommene geistige Freiheit und Frieden finden – und anderen helfen, diesen Frieden zu finden.“
Dann bleibt ein Moment Stille.
„Wie wunderbar“, sagt er leise. „Heute haben wir Samen des Verständnisses gelegt.“
Nach einer Meditationsanleitung von Tenzin Peljor, gehalten im Buddhistischen Stadt-Zentrum Hamburg. Der volle Audio-Vortrag ist über das Stadt-Zentrum erhältlich.